Solidarität mit Flüchtlingen – das Recht auf Stadt ist nicht teilbar!

Recht auf Stadt bedeutet Teilhabe am Leben und den Entscheidungen der Metropole. Das ist zugleich ein universeller Anspruch, denn die Stadt ist nur auf dem Papier ein eindeutig nach außen abgrenzbares Gebilde. Tatsächlich ist, was in Hamburg passiert, nicht unabhängig von Ereignissen anderswo, ebenso wie etwa der Konsum hier Auswirkungen hat auf die Verhältnisse in Asien, Afrika oder Südamerika. Gerade in einer Stadt, die sich in einem – übrigens ziemlich abgeschmackten und nationalistisch fundierten – Slogan zum “Tor zur Welt” stilisiert, sollte das zum Alltagswissen gehören. Anscheinend ist das aber nicht so.

Einerseits gibt sich das offizielle Hamburg mit einer “Internationalen Gartenschau” und Inszenierungen à la “In 80 Gärten um die Welt” kosmopolitisch. Andererseits verwehrt es gleichzeitig Flüchtlingen aus fadenscheinig formalen, ökonomischen oder schlicht rassistischen Gründen eine menschenwürdige Existenz in dieser Stadt. Aktuell sind 300 Menschen betroffen, die über Italien aus Afrika gekommen sind. Senat und Abendblatt wollen sie am liebsten sofort wieder los werden, als ob deren Lage mit der Weltstadt Hamburg und deren ökonomischen und politischen Aktivitäten gar nichts zu tun hätte. Das ist nicht nur inakzeptabel, das ist ein Skandal.

Unser Areal solidarisiert sich mit den Bemühungen um ein Aufenthaltsrecht frei von behördlichen Schikanen für die Flüchtlinge.

Das Recht auf Stadt ist nicht teilbar in ein “wir hier drinnen und ihr da draußen” – es gilt für alle.

Flattern für St. Pauli: ein rotes Band durch den Stadtteil

Am Samstag (27.10.2012) fand ein in Hamburg Aktionstag gegen den Mietenwahnsinn statt, dem weitere Aktionen folgen werden.
Am Campus der Universität startete um 14 Uhr das Bündnis „Schlaflos in Hamburg? Mietenwahnsinn stoppen!“ mit kritischen Stadtteilrundgängen, an denen mehrere Hundert Menschen teilnahmen.

Ab 15 Uhr verbanden Aktivist_innen verschiedener Initiativen in St. Pauli Orte des Widerstands und der Kritik mit einem roten Flatterband.
Neben „SOS St. Pauli“, „SOS Karoviertel“, dem Niebuhrhaus, den Esso-Häusern und dem Centro Sociale waren auch die Unser! Areal-Initiativen Keimzelle und Wunschproduktion dabei.

Während die Reaktionen von Nachbar_innen und Passant_innen auf die Aktion überwiegend positiv waren, verhielten sich die verschiedenen Polizei-Abteilungen uneinheitlich.
Nördlich der Simon-von-Utrecht-Straße konzentrierten sich die Ordnungshüter_innen auf ihre Kernaufgabe und kümmerten sich um die Verkehrssicherheit. Im Bereich des Gefahrengebiets Reeperbahn jedoch wurden Aktive mehrfach willkürlich durch Beamt_innen festgehalten und mussten sich Personenkontrollen unterziehen. Diese vollkommen anlasslosen Repressionsmaßnahmen unterstreichen einmal mehr die Fragwürdigkeit dieser Sonderrechtszonen.

Merkwürdiges Abstimmungsverhalten

Vom Bauzaun waren wir ja nach den Vorankündigungen (blick- und staubdicht, rund um die Uhr beleuchtet und bewacht) etwas enttäuscht.

Beim Bauschild hingegen haben sich die Bauherren nicht lumpen lassen – und Adressen stehen auch drauf!

Auch die Beschriftung spricht in dankenswerter Weise paternalistischen Klartext: „In Abstimmung mit dem Bezirksamt für den Stadtteil“ – und nicht etwa in Abstimmung mit dem Stadtteil.

Auf wen das „besondere Nahversorgungskonzept“ abgestimmt ist und was eigentlich das besondere daran ist (verglichen mit jedem anderen regionalen Shopping Center) wissen zur Zeit vermutlich noch nicht einmal die Bauherren.

Wir jedenfalls bleiben besonders nah dran und sind immer bereit, uns abzustimmen – mit allen, die ebenfalls dazu bereit sind.

Nahversorgung mit Champagner

Selten genug ergibt sich ja die Gelegenheit, ausgerechnet der Bild-Zeitung für das Aussprechen der Wahrheit zu danken (nach aktueller Zählung bisher exakt null Mal). Heute aber ist es so weit: in der Hamburger Online-Ausgabe des Blattes wird das Riesen-Einkaufs-Center, das nach Plänen von Bezirk und EDEKA in der Rindermarkthalle entstehen soll, als das bezeichnet, was es ist – als Riesen-Einkaufs-Center.
Auch die unterschiedlichen Rollen der Pächter werden hier erstmals recht unverblümt dargestellt: Holst sorgt für das Lokalkolorit und Meyer für den Champagner.

Die Ankündigung, „mit einem dem Quartier angepassten Ambiente und Sortiment aufwarten“ zu wollen, kann man nach den bisherigen Erfahrungen durchaus auch als Drohung verstehen. In der Vergangenheit hatten (Bezirks-) Politiker_innen und Investor_innen auf der einen und Stadtteilbewohner_innen auf der anderen Seite schließlich schon äußerst unterschiedliche Vorstellungen davon, was angemessen ist.
„Aufwarten“ und „Aufwerten“ liegen nur einen Buchstaben auseinander – da kann es schnell passieren, dass das Quartier nicht mehr zum Angebot passt.

Ehrlicherweise verzichtet der Artikel auf die Floskel, mit dem Shopping Center würde ja nur der Wunsch insbesondere der Karoviertel-Bewohner_innen nach Nahversorgung mit Lebensmitteln erfüllt.

In diesem Sinne also: danke, Bild!