FAQ Rindermarkthalle

– Wo liegt die Alte Rindermarkthalle?
– Woher kommt der Name „Alte Rindermarkthalle“?
– Ist das Gebäude ein Denkmal?
– Was war bisher in dem Gebäude?
– Wem gehört das Gebäude?
– Wie groß ist das Grundstück, wie groß die Halle?
Wie ist der Stand der Planung jetzt, Ende 2012?
– Was hatte der Bezirk vorher geplant?

– Was hatte es mit der Music Hall auf sich?


Wo liegt die Alte Rindermarkthalle?

Die Alte Rindermarkthalle liegt zwischen Heiligengeistfeld, St. Pauli Nord, Karoviertel und Schanze. Nach Westen grenzt das Grundstück an die Budapester Straße, nach Norden an den Neuen Kamp, nach Osten an den U-Bhf. Feldstraße, den Recyclinghof und die Sportplätze des FC St. Pauli sowie nach Süden an das Wirtschaftsgymnasium St. Pauli.

Lageplan der Alten Rindermarkthalle auf St. Pauli

Lageplan der Alten Rindermarkthalle auf St. Pauli

Woher kommt der Name „Alte Rindermarkthalle“?

Der Name stammt von der früheren Nutzung der Halle, weil in ihr u.a. Rinder gehalten wurden, bevor sie im benachbarten Schlachthof geschlachtet wurden. Die erste Halle wurde 1888 gebaut, fasste 2500 Rinder und 5000 Schafe und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die heutige Halle wurde auf den alten Grundmauern bis 1951 wieder aufgebaut. 1972 wurde die Viehhaltung aufgegeben. Seitdem wurde sie vor allem von Supermarktketten genutzt.

Blick in die Alte Rindermarkthalle in früheren Zeiten.

Blick in die Alte Rindermarkthalle in früheren Zeiten.

Ist das Gebäude ein Denkmal?

Das Gebäude ist als Denkmal „erkannt“ – nach $7a des Hamburgischen Denkmalschutzgesetzes –, aber noch nicht förmlich als Denkmal eingetragen und unter Schutz gestellt.

Was war bisher in dem Gebäude?

Seit 1972 waren verschiedene Einzelhandelsunternehmen in der Halle: zuerst die Konsumgenossenschaft Produktion/Coop, dann die Großsupermärkte plaza, conti, walmart und real. Der real-Markt wurde am 31. Mai 2010 geschlossen. Seitdem steht der untere Teil der Halle leer. In der oberen Etage des vorderen Gebäudeteils befindet sich zurzeit noch die Hamburg Moschee des türkischen Vereins Diyanet.

Wem gehört das Gebäude?

Der Stadt Hamburg, vertreten durch die Finanzbehörde Hamburg. Das Grundstück wird von der Sprinkenhof AG für die Finanzbehörde verwaltet.

Wie groß ist das Grundstück, wie groß die Halle?

Das Grundstück ist 34.000 qm groß, die Halle selbst 14.200 qm. Die leicht geschwungene Vorderfront ist 155 m lang, die Rückfront 100 m, die Höhe beträgt insgesamt 12,50 m. Ursprünglich war die Haupthalle ein einziger Raum bis zu dem so genannten Shed-Dach (Sägezahndach, wie in alten Industriebauten häufiger zu finden), durch dessen Fensterbänder Nordlicht einfällt. Nach Ende der Viehhaltung wurde ein Zwischenboden eingezogen, auf dem sich heute ein Parkdeck befindet.

Die Sheddach-Konstruktion der Alten Rindermarkthalle

Die Sheddach-Konstruktion der Alten Rindermarkthalle

Wie ist der Stand der Planung jetzt, Ende 2012?

Am 2. September 2011 gab der Bezirk Mitte bekannt, sich mit Edeka Nord auf eine 10-jährige Zwischennutzung geeinigt zu haben. Im Juli 2012 begann die Sanierung der Halle samt Umbauarbeiten. Am 24. September 2012 – über ein Jahr später! – wurde das Nutzungskonzept von Edeka Nord erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr dazu hier.

Was hatte der Bezirk geplant? Wie ist der Stand der Planung?

Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschloss im März 2009 einstimmig mit dem Votum von SPD, GAL, CDU, FDP und LINKE ein Workshop-Verfahren zur Entwicklung eines neuen „stadtteilverträglichen Nutzungskonzepts“ für die Alte Rindermarkthalle. SPD und GAL favorisiertem zu diesem Zeitpunkt bereits eine Musikhalle für 4000 Besucher und „Einzelhandel, Handwerksbetriebe, Büros für Kreativ- und Musikwirtschaft sowie Gastronomie“, wie das Abendblatt am 16.4.2009 berichtete.

Anfang April 2010 schrieb der Bezirk eine „Machbarkeitsstudie in Form eines kooperativen Gutachterverfahrens“ (PDF leider nicht mehr verfügbar) aus, an dem sich sieben Architekturbüros beteiligten. Teil dieses Verfahrens war eine Bürgerbeteiligung in zwei Workshops. Bezirksamtschef Markus Schreiber erklärte bei der ersten öffentlichen Anhörung am 13.4.2010, das Verfahren sei „ergebnisoffen“.

Tatsächlich hatte das Hamburger Abendblatt aber schon am 8. März 2010 über  geplante Nutzungsarten mit klaren Flächenvorgaben berichet – noch bevor die Öffentlichkeit darüber überhaupt informiert, die Auslobung der Machbarkeitsstudie veröffentlicht worden war.

Die geplanten Nutzungen umfassten:
– eine „Music Hall“ auf 5000 qm für 4000 Besucher
– ein Discounter und ein „Vollsortimenter“ auf 2000 qm
– eine Markthalle auf 3000 qm
– kleinteiligen Einzelhandel auf 900 qm
– Gastronomie auf 3000 qm
– Büros für „Musik- und Kreativwirtschaft“ auf 16.000 qm
– Wohnungsbau auf 15 Prozent der Grundstücksfläche
– kulturelle Nutzung auf 10 Prozent der Grundstücksfläche.

Gegen diese Vorfestlegung in einem angeblich ergebnisoffenen Verfahren regte sich heftiger Widerstand aus den umliegenden Vierteln, der dazu führte, dass die Planung im November 2010 in der bisherigen Form erst einmal auf Eis gelegt wurde (PDF zu den Siegerentwürfen der Machbarkeitsstudie). Die SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte stellte daraufhin den Antrag, das Nutzungskonzept in einem offenen Beteiligungsverfahren weiterzuentwickeln. Denn, erklärte die SPD: „Eine Bürgerbeteiligung im Sinne eines offenen, ernsthaften und konstruktiven Dialogs – wie er für ein Vorhaben dieser Größenordnung unverzichtbar ist – ist bisher nicht gelungen.“

Ursprünglich sollten Music Hall und weitere Gebäude laut Abendblatt schon 2013 fertig sein (Schreiber favorisierte im März 2009 den Abriss der Alten Rindermarkthalle). Derzeit geht man im Bezirk davon aus, dass ein neues Nutzungskonzept frühestens 2014 umgesetzt werden kann.

Illustration des Entwurfs von Störmer Murphy Partner Architekten.

Illustration des Entwurfs von Störmer Murphy Partner Architekten

 

Was hat es mit der Music Hall auf sich?

Die „St. Pauli Music Hall“ ist ein Konzept, das bereits seit einigen Jahren existiert und ursprünglich von den Betreibern des früheren Mojo-Clubs mit der Karsten Jahnke Musikdirektion GmbH entwickelt wurde. Als Standort war ursprünglich die Reeperbahn 1 gedacht, auf der seit 2010 die „Tanzenden Türme“ der Strabag entstehen. Die Idee wurde dann auch von Warner Music unterstützt.

Die Halle soll nach Aussagen aus der Hamburger Musikwirtschaft die Lücke bei den existierenden Konzerthallen füllen: Die größten Hallen auf St. Pauli fassen ca. 1500 Besucher, die nächstgrößere (O2 World) schon ca. 7000 Besucher. Die Musikwirtschaft argumentiert, dass diverse internationale Bands und Musiker Hamburg auf Tourneen auslassen würden, wenn es keine Halle in einer Zwischengröße für 2500 bis 4000 Besucher gebe.

Mit seinem Beschluss vom März 2009 brachte der Bezirk Mitte das Areal der Alten Rindermarkthalle als Standort für die Music Hall ins Gespräch.  Im September 2009 gründete sich dann die St. Pauli Music Hall GmbH (Handelsregisternr HRB 111417), „um sich als lokale Akteure schnell gegenüber den großen börsennotierten Mitspielern zu positionieren“, wie Mojo-Club-Geschäftsführer Leif Nüske erklärt. Seine Befürchtung ist, die Finanzbehörde könnte die Planung an sich ziehen und die Nutzung einem großen Investor übertragen, so dass die Hamburger Musikwirtschaft nicht mehr zum Zuge kommt.

3 Gedanken zu „FAQ Rindermarkthalle

  1. Hallo,

    leider vermisse ich in der ganzen Diskussion um die Nutzung dieses Zentralen Geländes die Idee einer weiterführenden Schule ab Klasse 5.
    St.Pauli, das Karoviertel und auch die Sternschanze sind Stadtteile mit vielen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter.
    Die reichlich vorhandenen Kindergärten und auch die Grundschule an der Ludwig/Laitzstraße und an der Thadenstraße sind ausgelastet.
    Ab der 5. Klasse mit Beendigung der Grundschule wird den hier wohnenden Kindern teilweise ein täglicher Schulweg nach Lokstedt zugemutet, da die nächsten Gymnasien Max-Brauer-Allee, Kaifu und Wüstenfeldt mit den Kindern aus Ihrem eigenen Einzugsbereich ausgelastet sind.
    Eine Auskunft darüber, warum diese Möglichkeit der weiteren Nutzung bis jetzt nicht erörtert wurde, wäre für mich sehr hilfreich.
    vielen Dank

    Ricarda Tustas

    • Ja, in der Tat, so einige Texte müssten mal überarbeitet werden – so was geht im „Tagesgeschäft“ gerne mal unter.
      Danke jedenfalls für den Hinweis, vielleicht schaffen wir ja in der dunklen Jahreszeit eine Aktualisierung…

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