Was ist mit dem Grünareal?

Kein Platz für das Projekt „Grünareal“ – stattdessen viel Platz für Shopping.  Auf dem Gelände der Alten Rindermarkthalle St. Pauli soll ein urbaner Garten als soziale Plastik und Kunst im öffentlichen Raum entstehen und mit ihm ein neuartiger Beteiligungsprozess. Die Kulturbehörde fördert das Projekt, aber die Sprinkenhof AG, die Finanzbehörde und der Bezirk verhindern es: Es sei kein Platz auf dem Areal. Das heißt: Kein Raum für Partizipation, kein Ort für Kunst im öffentlichen Interesse und keine Fläche für echte Nahversorgung.

Als im Mai letzten Jahres mit der „Keimzelle“ ein sozialer Gemüsegarten am Ölmühlenplatz in der Marktstrasse (Karolinenviertel) entstand, war von Anfang an klar, dass diese kleine Fläche nur ein symbolisches Zeichen setzen konnte. Ihr Ziel war und ist ein großer Nachbarschaftsgarten auf dem Areal der ehemaligen Rindermarkthalle – als sozialer Treffpunkt, lokale Selbstversorgung und öffentliche Plattform. Zusammen mit Anwohnerinnen und Anwohnern soll eine nachhaltige Zukunft und ein beispielhafter Planungsprozess für das ungenutzte Areal entwickelt werden. Durch das gemeinsame Gärtnern kann eine „Agora“ für Stadtgestaltung entstehen, die Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Interessen Beteiligungsmöglichkeiten bietet: Eine kleinteilige temporäre und anwohnerorientierte Nutzung würde beginnen.

Was verhindert das Wachstum der „Keimzelle“ zum „Grünareal“ auf das Rindermarkt-Areal?

• von Seiten der städtischen Immobilienverwalterin SpriAG wurde ohne öffentliche Beteiligung ein Zwischennutzungsvertrag mit der Handelkette Edeka ausgehandelt, so dass das Areal ohne jede öffentliche oder politische Einflussnahme mindestens für die nächsten 10 Jahre vergeben ist und in den 13.000 qm der Alten Rindermarkthalle vor allem eines stattfindet: Kaufen, Kaufen, Kaufen. Die Anwohner_innen haben sich gegen eine Music Hall gewehrt – jetzt bekommen sie eine Shopping Mall.

• von Seiten der „Keimzelle“ wurde ein politisch-künstlerisches Konzept für einen Gemüsegarten auf dem Areal entwickelt – das „Grünareal“. Die Kulturbehörde Hamburg fördert das Projekt „Grünareal“ als Kunst im öffentlichen Raum. Vorausgesetzt, die städtischen Flächen stehen zur Verfügung.

Und genau das ist die Bruchstelle: Nach mehreren Verhandlungsrunden mit SpriAG und Finanzbehörde gibt es angeblich wegen der anstehenden Sanierungsarbeiten für die neue Shopping Mall keinen Platz für das „Grünareal“. Angesichts einer Gesamtgröße des Geländes von 34000 Quadratmetern ist diese Aussage nicht nachzuvollziehen. Der Bezirk Mitte sieht auch keine Möglichkeiten auf angrenzenden Flächen. Und die Schulbehörde verweigert dem Projekt die temporäre Nutzung einer geeigneten Wiese auf dem Gelände des benachbarten Wirtschaftgymnasiums.

Die Hoffnung und das Engagement sterben zuletzt. Doch es scheint, dass die Stadt auch in diesem Fall das Angebot einer beteiligungsorientierten und nachhaltigen Stadtentwicklung ausschlägt, obwohl die Bürgerschaft bereits im November 2010 ein Beteiligungsverfahren zur zukünftigen Entwicklung des ehemaligen Rindermarkthallen-Areals beschlossen hatte. Gemessen an diesem „Versprechen“ ist das faktische Vorgehen der politischen Instanzen ein Skandal.

Wir fordern die Stadt auf, dem „Grünareal“ die notwendigen Flächen zur Verfügung zu stellen. 

Kontakt Grünareal: Anke Haarmann, Harald Lemke 0175 89 88 399, 040 4319 0459

 

Würfelduldung bis nächstes Jahr

Entsprechend der Empfehlung des Sanierungsbeirats „Karolinenviertel“ können die Planungswürfel vor der Alten Rindermarkthalle vor Ort bleiben, bis die geplante Baustelle auf dem Gelände eingerichtet wird. Baubeginn könnte Mitte 2012 sein. Dies wurde auf der Sitzung des Ausschusses für Wohnen und Stadtteilentwicklung der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte am Dienstag, dem 20.09.2011 beschlossen. Umgebaut werden soll das Gebäude, um dort drei Supermärkte und eine Markthalle einzurichten. Eine Stellungnahme zu den Plänen der sogenannten Zwischennutzung und ein Kurzbericht zur Sitzung des Ausschusses ist auf der Seite der Initiative die leute:real nachzulesen.

 

Das Planen und Informieren geht weiter …

Supermärkte kommen und gehen – in den Planungswürfeln wird unterdessen öffentlich und fantasievoll weiter geplant, gebastelt, sich informiert und ausgetauscht. Die letzten Samstage entstand eine Bevölkerung für Planungsszenarien und Ideen für einen Basar wurden gesammelt. Filme wurden gezeigt. Immer wieder kommen Leute, die sich ganz einfach informieren wollen und anfangen ihre Vorstellungen über die Zukunft des Areals zu artikulieren. Ganz nebenbei arbeiten wir daran, die Würfel weiter flott zu machen…

Eat the City – der erste Thementag in den Planungswürfeln

Die Würfel können bis auf Weiteres bleiben und werden ab jetzt regelmäßig genutzt: Mittwochs Nachmittags ab 15 Uhr sind sie geöffnet, Samstags oder Sonntags ab 12 Uhr. Am Wochenende sind regelmäßig kulturelle Angebote oder Info-Veranstaltungen geplant. 

  

Den Anfang hat „Eat the City“ gemacht. Stadtgärten als öffentliche Bühne und Gestaltung von urbanem Raum mit veganer Kohlroulade aus Keimzellen-Eigenernte und selbstgemachten Seitanfilets. Das Wetter war zunächst rau, wie die politische Lage, dann aber wurde geklönt, diskutiert und genossen bis der Regenbogen kam.