Presseerklärung: Neue Planung für Rindermarkthalle notwendig

Anwohner_innen-Initiative fordert Bezirk und Senat auf, die derzeitigen Zwischennutzungspläne für die Alte Rindermarkthalle auf St. Pauli zu stoppen und eine neue Planung mit Anwohner_innen anzusetzen, wie von der Bürgerschaft bereits vor einem Jahr empfohlen.

Hamburg, 16. November 2011 – Seit nunmehr 18 Monaten steht die Alte Rindermarkthalle auf St. Pauli leer. Geht es nach dem Willen der Finanzbehörde, der Eigentümerin des Gebäudes, sollen in der Halle ab Anfang 2013 ein Verbrauchermarkt, eine Drogerie, ein Discounter sowie eine Markthalle eröffnen. Für soziale und kulturelle Nutzungen sind ganze 600 von 13.400 Quadratmetern Nutzungsfläche vorgesehen.

In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bürgerschaftsfraktion Die Linke behauptet der Senat nun, in die Planung dieses Zwischennutzungskonzepts seien „Quartiersbeiräte und Stadtteilvertreter“ eingebunden gewesen. Dies ist jedoch nicht richtig.

Fakt ist:

1. Keine der in den benachbarten Vierteln ansässigen Anwohner_innen-Initiativen ist seit dem Aus für die umstrittene „Music Hall“ und die Entwürfe aus der Machbarkeitsstudie im November 2010 von Vertreter_innen der Finanzbehörde oder des Bezirks Mitte kontaktiert worden.

2. Die Sanierungsbeiräte Wohlwillstraße (St. Pauli Nord), Karoviertel und Sternschanze sind seit November 2010 nicht zu Zwischennutzungsplanungen befragt worden. Dies belegen u.a. die Sitzungsprotokolle der Beiräte. Der Sanierungsbeirat Wohlwillstr. hat in seiner Beiratsempfehlung vom 25.10.2011 festgestellt: Die Darstellung des Senats, die Beiräte seien in die Planung eingebunden gewesen, „entspricht nicht der Wahrheit.

3. Das Zwischennutzungskonzept, das Edeka Nord als Pächterin des Grundstücks umsetzen soll, wurde erstmals am 2.9.2011 vorgestellt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bis auf einige handverlesene Anwohner_innen, denen am 1.9.2011 überhaupt erst eine Einladung zuging, erfuhren die Anwohner_innen von dem Zwischennutzungsplan erstmalig aus den Medien.

Der Vorgang zeigt, dass Senat und Bezirke Mitte nun schon zum zweiten Mal – nach der gescheiterten Machbarkeitsstudie vom vergangenen Jahr – eine im stillen Kämmerlein beschlossene Nutzung ohne Einbindung der Bevölkerung durchdrücken wollen. Und dies, obwohl die Hamburgische Bürgerschaft im November 2010 in einem Beschluss den Senat anhielt, „zu gewährleisten, dass die Rindermarkthalle bis zum Umbau/zur Umnutzung durch sinnvolle vertraglich abgesicherte Zwischennutzungen weiter belebt wird. Hierbei sind die ansässigen Initiativen einzubinden„.

Bezirksamtsleiter Markus Schreiber hat am 2.9.2011 erklärt, der neue Zwischennutzungsplan entspreche den Wünschen der Anwohner_innen, wie sie in der Umfrage der Wunschproduktion Unser! Areal ausgedrückt worden. Auch dies entspricht nicht den Tatsachen.

Die Anwohner_innen-Wünsche beinhalten zwar auch Einkaufsmöglichkeiten, um den Verlust des Real-Markts wettzumachen. Mindestens ebenso hohe Priorität haben jedoch der Bau von Wohnungen, ein Stadteilgarten, soziale Einrichtungen und Kleingewerbe. Dies bestätigt noch einmal eine kürzlich durchgeführte zweite Anwohner_innen-Befragung durch das Initiativenbündnis Unser! Areal. Eine Einkaufsfläche von fast 12.000 Quadratmetern ist deshalb unverhältnismäßig und missachtet andere, wichtige Nutzungswünsche.

Zweitens kann die Umfrage-Dokumentation, die dem Bezirksamtsleiter im April zur Verfügung gestellt worden war, selbstverständlich keine Planung durch die Anwohner_innen ersetzen. Sie war vielmehr als Hinweis an den Bezirk gedacht, was Bestandteil eines jeden demokratischen und ergebnisoffenen Planungsprozesess sein sollte: nämlich zuerst die Menschen vor Ort zu fragen und dann zu planen.

Die Anwohner_innen-Initiative Unser! Areal fordert daher Bezirk und Senat auf, die derzeitigen Zwischennutzungspläne für die Alte Rindermarkthalle auf St. Pauli zu stoppen und eine neue Planung mit Anwohner_innen anzusetzen, die deren Vorstellungen als Grundlage nimmt – auch und erst recht für eine Zwischennutzung, die auf zehn Jahre angelegt ist. Dies ist für die Stadt Hamburg auch eine Gelegenheit, ihre Stadt- und Bauplanung endlich zu demokratisieren.

Anwohner_innen im Initiativenbündnis Unser! Areal – www.unser-areal.de

die leute:real – www.dieleutereal.de

Wunschproduktion Unser! Areal – wunschproduktion.unser-areal.de

Die Keimzelle – www.diekeimzelle.de

Nur ein Einkaufszentrum für St. Pauli – oder geht da noch mehr?

Edeka, Aldi, Budni und eine Markthalle sollen also für zehn Jahre in die Alte Rindermarkthalle einziehen. Das ist für viele Anwohner_innen, die seit 15 Monaten weite Wege für den täglichen Einkauf gehen müssen, eine gute Nachricht. Auch wenn der Umbau sich noch bis Ende 2012 hinzieht.

Es ist auch ein erster bescheidener Erfolg der Wunschproduktion: Bezirksamtsleiter Schreiber scheint die „Wunschrolle“ mit Antworten aus der Anwohner-Umfrage, die ihm am 1. April übergeben wurde, begutachtet zu haben. Jedenfalls hat er dies dem NDR verraten: „Wir haben 94 Wünsche auf der Wunschliste gezählt. Viele rankten sich um das Thema Einkaufen. Viele wünschten sich eine Markthalle, die wir jetzt auch bekommen.“
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Pressemitteilung: Anwohnerplanung planmäßig ausgebremst?

Die Katze ist aus dem Sack: heute haben der Bezirk Mitte und die Finanzbehörde vor handverlesenem Publikum die Ergebnisse der seit Monaten hinter verschlossenen Türen geführten Verhandlung um eine Zwischennutzung für die Alte Rindermarkthalle verkündet. Wir nehmen dazu in der folgenden Pressemitteilung Stellung:

Anwohnerplanung planmäßig ausgebremst?
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Die Planungswürfel können bleiben

Die gute Nachricht des Tages von der Alten Rindermarkthalle:
Die Planungswürfel für die Wunschproduktion, die seit Freitag auf dem Areal stehen, können voraussichtlich bleiben.
Dem Vernehmen nach haben sich die Finanzbehörde und die städtische Sprinkenhof AG, die das Gelände verwaltet, zu einer Duldung durchgerungen.

Heute Abend (Donnerstag, ab 19 Uhr) sind die Würfel für ein offenes Treffen der leute:real geöffnet – eingeladen ist Jede_r.
Am Samstag findet dann die erste „reguläre“ Veranstaltung statt:
27.08.2011, 14 – 18 Uhr
eat the city„, präsentiert von der Keimzelle.

Planungswürfel auf dem Areal – Stand der Dinge

Nach einem aufregenden und (auch meteorologisch) turbulenten Tag stehen die Würfel heute Abend immer noch.

Die Pressekonferenz war gut besucht, erste Meldungen sind bereits online (HH1). Auch zum 14 Uhr-Termin besuchten zahlreiche Politiker_innen den Planungspavillon, zur gleichen Zeit wurde andernorts Olaf Scholz (Bürgermeister, SPD) anlässlich eines Empfangs ein symbolischer Würfel als Geschenk überreicht.

Obwohl sich viele Anwohner_innen und Vertreter_innen aus Politik und Kultur positiv zu den Würfeln geäußert und ihren Verbleib auf dem Areal befürwortet haben, ist die Zukunft noch nicht gesichert. Nachdem sich die Finanzbehörde inzwischen mehr oder weniger für neutral erklärt hat, liegt die Entscheidung über eine mögliche Räumung nun bei der Sprinkenhof AG, die das Gelände für die Stadt verwaltet. Für die nächsten Tage sind weitere Gespräche geplant.

Pressemitteilung: Finanzbehörde erwägt Räumung der Planungswürfel auf dem Areal – Anwohner_innen informieren Politiker_innen

Laut Mopo erwägt die Finanzbehörde die Räumung der Planungswürfel auf dem Areal der Alten Rindermarkthalle, die dort erst am Freitag errichtet wurden.

Deshalb geht’s heute (Dienstag, 23.08.2011) ab 11 Uhr aufs Areal; um 12 Uhr ist Pressekonferenz und ab 14 Uhr das Programm „Bürger_innen informieren Politiker_innen“. Kommt, wenn ihr könnt!

Näheres in der folgenden Pressemitteilung:

Wie u.a. der heutigen Ausgabe der Hamburger Morgenpost zu entnehmen ist, erwägt die Finanzbehörde die Räumung der Planungswürfel auf dem Areal der Alten Rindermarkthalle. Diese wurden erst am vergangenen Freitag von Anwohner_innen dort errichtet und der Stadt zum Geschenk gemacht – als Bestandteil eines demokratischen Planungsverfahrens für das Gelände und die seit mehr als einem Jahr leer stehende Halle.

Wir, die geschenkgebenden Anwohner_innen, sind erstaunt darüber, dass die Behörde an einen solchen Schritt denkt, ohne die Gabe auch nur in Augenschein genommen zu haben.

Welchen Sinn sollte es machen, ein Kunstwerk zu zerstören und ein Gelände zu räumen, dass zuvor lediglich zum Zerschlagen von Flaschen genutzt wurde?
Die Würfel stellen unbestreitbar eine Bereicherung der Situation auf dem Areal dar, nicht nur als ästhetisch wirksame Installation, sondern auch als Kommunikationsort für die Menschen in den benachbarten Vierteln.

Offensichtlich gibt es Missverständnisse hinsichtlich des Zwecks der Würfel und der Absichten der Anwohner_innen, die diesen Planungspavillon betreiben.
Diese Missverständnisse möchten wir ausräumen.

Am heutigen Dienstag, dem 23.08.2011 werden die Würfel um 11 Uhr als Treff- und Kommunikationsort für alle Anwohner_innen und Freund_innen geöffnet.

Um 12 Uhr laden wir zur Pressekonferenz in den Planungswürfeln auf dem Areal der Alten Rindermarkthalle (Neuer Kamp 25, früherer Zentralviehmarkt, ehemals Walmart und Real, neben U-Bahn Feldstraße).

Ab 14 Uhr erwarten wir Gäste aus Parteien und Fraktionen zum Programm „Bürger_innen informieren Politiker_innen“.

Fünf Würfel sind gefallen: Für eine neue Stadtplanungskultur an der Alten Rindermarkthalle!

Fünf große Würfel stehen seit heute auf dem Platz vor der Alten Rindermarkthalle (St. Pauli) – ein Geschenk der Anwohner_innen an die Stadt Hamburg. Die Würfel sind Skulpturen im öffentlichen Raum, die vom Konzeptkünstler Till F.E. Haupt aus dem Gängeviertel entworfen wurden. Sie dienen ab sofort als Pavillon für ein demokratisches Planungsverfahren. Sie stehen für die Zukunft des Areals und für eine andere Stadtplanungskultur.

Aktuell suchen Institutionen händeringend nach innovativen Beteiligungsformen. Gemeinden, Fachmagazine, die nationale Stadtentwicklungspolitik loben gleich mehrere Wettbewerbe hierzu aus. Wieso sollte nicht auch dieser Suchprozess von „Beteiligten“ selbst durchgeführt werden?

Die Wände der Würfel lassen sich aufklappen und ein offener Ort der Begegnung entsteht. Tische, Hocker und eine Bibliothek befinden sich in den Würfeln. Bastelbögen, Knetmasse und Notizbücher laden ein, Ideen zu entwickeln. Die Außenwände fungieren als Wandtafeln, wo Zeichnungen und Kommentare hinterlassen werden können. Jedes Wochenende finden in den Würfeln Veranstaltungen statt. „Bastelbogen und Bauklotzen“ steht auf dem Programm und die Auswertung der Umfrage vom Herbst 2010, Diskussionsforen zu zeitgemäßen Stadtplanungsprozessen, das Stadtraumtheater am „Tag des Denkmals“ und vieles mehr.

Ich will Stadt selber machen. Auch wenn unsere Wünsche ganz schön unterschiedliche sind und wir nicht gleich wissen: wie gehen die zusammen?“ sagt eine Anwohnerin.

Die Anwohner_innen schenken der Stadt mit diesen großen Würfeln ein demokratisches Planungsverfahren, das von ihnen selbst organisiert wird. Die Planungs-Würfel setzen die im November letzten Jahres begonnene „Wunschproduktion“ fort. Sie knüpfen an die Interessen der umliegenden Viertel an, wie sie auf dem Nachbarschaftsfest zum einjährigen Leerstand der Halle im Mai dieses Jahres zum Ausdruck kamen. Während seitens der Behörden Schweigen herrscht und Gerüchte kursieren, die städtische Immobilienverwalterin Sprinkenhof AG verhandle hinter verschlossenen Türen über Zwischennutzungen, sind die Anwohner_innen bereits dabei, ein eigenes und zeitgemäßes Planungsszenario zu entwickeln. Die ausgelobte „Machbarkeitsstudie“ zur Alten Rindermarkthalle, die seit über einem Jahr leer steht, ist am Widerstand der Anwohner_innen gescheitert und hat viel Geld verschleudert. Wir aber planen alle und planen nachhaltig weiter.

Ein Gemeinschaftsprojekt der Anwohner_innen der Alten Rindermarkthalle